One team, One dream – Das TUfast Eco Team siegt auch in Rotterdam

Ein Jahr lang haben wir uns Nächte in der Werkstatt um die Ohren geschlagen mit dem Ziel bei der Siegerehrung des Shell Eco Marathon 2015 auf dem Treppchen ganz oben zu stehen.
Natürlich hatte der Auftritt von eLi15 in Colomiers bei der Challange EducEco die Hoffnungen weiter wachsen lassen (siehe hier). Das Ergebnis ist bekannt: Gesamtsieg in der Prototypenklasse und den Grand Prix Sieg auf der Strecke, sowie die drei Offtrack Awards für Design, Motor und technische Innovation.

The eLi15, #327, battery electric Prototype, competing for TUfast Eco Team from Technische Universitaet Muenchen, Garching be Munchen, Germany, who won the Vehicle Design Award, celebrates during the Awards Ceremony on the final day of the Shell Eco-marathon Europe 2015 in Rotterdam, Netherlands, Sunday, May 24, 2015. (Marcel Van Hoorn/AP Images for Shell)

 

Als Geheimfavorit – aus Sicht vieler anderer Teams – machte sich das TUfast Eco Team also auf den Weg nach Rotterdam, wohl wissend, dass sich die Anforderungen an eLi15 reglementbedingt deutlich geändert hatten. Es sollten für den SEM andere Solarzellen und ein selbstgebauter Motorregler verwendet werden. Außerdem durften nur 20% der verbrauchten Motorenergie als Solarenergie wieder eingespeist werden.

Dank drei Audi A3 g-tron konnten wir die Reise bequem und umweltfreundlich am Montag starten. Schon im Vorfeld hatten wir definiert, wer welche Aufgaben in Rotterdam übernimmt. Vom Zeltaufbau über die Paddock-Einrichtung bis hin zur Essensversorgung konnte alles perfekt erledigt werden. Das ganze Team blickte also der technischen Inspektion am Dienstag zuversichtlich entgegen. Diese nimmt aufgrund der Vielzahl von teilnehmen Teams viel Zeit in Anspruch. An eLi15 fanden die technischen Inspekteure vier kleine Makel, die aber in kürzester Zeit behoben werden konnten.

 

Am Mittwochmorgen konnte nach einem zweiten Check die Technische Abnahme abgeschlossen werden, sodass wir damit die begehrten Aufkleber überreicht bekamen, die die Starterlaubnis für den SEM 2015 bedeuten.
Den Rest des Tages nutzen wir auf einem Testplatz um Feineinstellungen an Fahrwerks- und Antriebsbauteilen vorzunehmen. Es traten keine neuen Fehler oder unerwartetes Verhalten des Fahrzeugs auf und so konnten wir sehr zuversichtlich den Testläufen am folgenden Tag entgegenblicken.

Für Donnerstag hatten wir zwei Testläufe auf dem Programm. Jede Fahrerin sollte einen vollen Run absolvieren, bevor die offiziellen Wertungsläufe stattfinden. Nach jeweils 39 Minuten auf der Strecke standen annähernd identische Endergebnisse auf dem Papier, die sich sehen lassen konnten: 855 km/kWh. „Passt scho!“ sagt ein Bayer an dieser Stelle. Jeder wollte mehr, weshalb die Bauteilverantwortlichen noch einmal zu Grübeln begannen. Wo könnte noch 1% versteckt sein, das uns noch weiter fahren lässt? Bis in den Abend hinein wurde an eLi15 getüftelt und damit aufhören konnten wir erst, als das Paddock geschlossen wurde. Mitternacht. Konzentration und Adrenalin ließen der Müdigkeit keinen Platz.

Dadurch, dass bereits zwei solide Testläufe gefahren werden konnten, bot sich am Freitagvormittag im zweiten Test-Slot die Möglichkeit, einige gewagte Modifikationen auszuprobieren. Nach kurzer Zeit musste das Auto von der Strecke weil es Probleme an der veränderten Kette-Ritzel Schnittstelle gab. Für den ersten Wertungslauf am Nachmittag war noch genügend Zeit und das Problem konnte in kürzester Zeit gelöst werden.

Als drittes Fahrzeug in der Prototypen Klasse konnten wir also bei guten Bedingungen zu unserem ersten Wertungslauf über die Startlinie rollen. In den Gesichtern des Starterteams konnte man erkennen, was dieser Moment bedeutet: Ein Jahr Arbeit und aufgeopferte Zeit werden ab jetzt in vier Versuchen bewertet.

Die Funkkommunikation zwischen Fahrerin, Streckenposten und Starterteam spiegelte ebenfalls wieder, was in den Köpfen aller Beteiligten vor sich ging. Jedes wichtige Detail wurde berichtet. Konzentration pur.
Nach 6 Runden aber herrschte plötzlich betretenes Schweigen auf unserem Funkkanal. „Rennen vorzeitig beendet. Alle zurück zur Startlinie.“

Was war passiert? Im Eifer des Gefechts wurde vergessen, ein Kabel ordentlich zu sichern. Durch die Vibrationen und Schläge der Straße kam dieses in Kontakt mit dem Hinterreifen und der Mantel scheuerte durch. Die Folge war ein Kurzschluss, der die gesamte Elektronik lahm legte.

© Ermindo Armino/AP Images for Shell

 

Ein weiteres Mal sollte sich beweisen, wie sehr wir an den Erfolg dieses Autos geglaubt haben. Statt Wutausbrüchen über diesen Lapsus wurde in aller Ruhe ein verbessertes Kabelmanagement in eLi15 implementiert und man konnte sich sicher sein, dass dieser Fehler ab sofort ausgeschlossen war.
Der zweite Versuch startete am Samstag um 12:30 Uhr. Wir konnten erneut als eines der ersten Fahrzeuge auf die Strecke gehen. Doch die schlechten Bedingungen wie die restnasse Straße, bedeckter Himmel, starke Windböen und extreme Probleme im Funkverkehr führten nach 39 Minuten zu einem gültigen Lauf mit einem Wert von 722 km/kWh. Ausreichend für eine Platzierung unter den ersten 5 Teams, aber keineswegs zufriedenstellend. Jedes Bauteil wurde nochmals unter die Lupe genommen. Und was ging auf der Strecke vor sich? Der ärgste Konkurrent „Ruppin Jet“ konnte einen späten Start für sich nutzen. Das Wetter hatte sich gebessert, die Strecke war nun trocken und sie konnten einen Wert über 800 km/kWh einfahren.

Sollten wir nochmal auf die Strecke? Hitzige Diskussionen drehten sich darum, ob es richtig ist, alles auf eine Karte zu setzen und am Sonntag zwei Mal zu starten. Das Wetter sollte für den morgigen Tag deutlich besser werden und so ließen wir eLi15 für diesen Tag im Paddock. An diesem Tag bekamen wir noch Besuch von den Juroren des Design Awards. Über eine halbe Stunde zeigten und erklärten wir jedes Detail, sodass sich die Damen und Herren sichtlich beeindruckt verabschiedeten. Danach wurde wieder erneut bis Mitternacht am Auto gearbeitet, sodass wir zufrieden und voller Hoffnung auf den letzten Wettbewerbstag blickten.
Von 9:00 – 12:30 Uhr wurde die Strecke ein letztes Mal für die Prototypen-Fahrzeuge geöffnet. Ein Teil des TUfast Eco Teams machte es sich ab 5 Uhr als drittes Team in der Warteschlange mit Schlafsäcken und unserer eLi bequem. Das Wetter wurde perfekt. Keine Wolke am Himmel. Kein Tropfen Regen war in der Nacht auf die Strecke gefallen. Aber die Schlange der startenden Teams wurde länger und länger. Ein vierter Lauf bedeutet, sich noch einmal ganz hinten anzustellen. Wir mussten es versuchen. Um 9:05 konnte eLi15 die Startlinie überqueren und es war wichtig als eines der ersten Fahrzeuge zu starten. Kein Verkehr bedeutet
Ideallinie fahren und immer auf der Sonnenseite der Strecke fahren zu dürfen. 39 Minuten später kam das nächste gültige Ergebnis: 766 km/kWh. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt Platz 2, aber warum? Die Sonne stand noch zu tief und die Solarzellen konnten nicht ihre volle Wirkung entfalten. Alles sollte alles am vierten Lauf hängen, weshalb wir schnell wieder auf die Strecke wollten. Der Reifendruck musste gecheckt werden, der Akku gewechselt und außerdem musste die Radkastenhalterung geklebt werden. Diese war nach dem dritten Wertungslauf bei der Einfahrt ins Fueling Tent gebrochen. Die Mienen wurden
ernst, denn jetzt durfte kein Fehler passieren. Wir hatten noch 30 Minuten, um den Schaden zu beheben und das Auto wieder auf die Strecke zu schicken, sonst wäre die Strecke wieder geschlossen. Und was macht der Ruppin Jet? Sie konnten erneut ihr Ergebnis verbessern. Spannung war also garantiert, bis der letzte über die Ziellinie rollt.

Um 11:30 Uhr war das Auto wieder fahrtüchtig und konnte kurz vor Streckenschließung zu den letzten entscheidenden 16,117 Kilometern losrollen. eLi15 drehte die Runden und allen war bewusst geworden, dass dieser Lauf legendär werden kann. Nach 39 Minuten konnte eLi15 die Ziellinie überqueren. Lauf gültig. Wenige Minuten später stand das offizielle Ergebnis fest und auf dem ersten Platz war die TU München: eLi15 konnte den Lauf mit 863,1 km/kWh absolvieren. Die Anspannung, die Mühen und die schlaflosen Nächte hatten sich gelohnt. Das TUfast Eco Team steht zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 2009 ganz oben.

Obwohl in den Gesichtern des Teams auch die kurzen Nächte in Rotterdam erkennbar waren, ging es voller Euphorie zur Siegerehrung. Plötzlich war der Moment gekommen, vom dem alle geträumt hatten. Das TUfast Eco Team steht ganz oben. Bierduschen, Pokalküsse und Sprechchöre. So sehen Sieger aus!
Keiner konnte fassen, dass noch mehr geht, doch unsere eLi15 setzte sich gegen die anderen teilnehmenden 197 Autos durch und wurde mit dem Design Award ausgezeichnet. Die Laudation des Design Awards ließ manchem erneut die Tränen in die Augen schießen. Und wir durften zum zweiten Mal an diesem Tag ganz oben stehen.

Eine unvergessliche Woche. Ein unvergesslicher Monat. Der schönste Saison-Abschluss den man sich wünschen konnte.
Die harte Arbeit der letzten Jahre hat sich gelohnt und wurde insgesamt mit zwei Siegen in der „Battery Electric Klasse“, vier Off-Track Awards sowie dem „Grand Prix“ der Prototypen bei der Challenge EducEco belohnt.

Das gesamte TUfast Eco Team bedankt sich mit diesen 7 Pokalen bei den Gründern des Teams, den Mentoren an der Universität, allen Werkstattmeistern und Universitätswerkstätten, dem TUfast Racing Team für die reibungslose Zusammenarbeit und vor allem aber bei unseren Partnern aus der Industrie.

Ohne ihr Vertrauen hätte dieser Traum nie wahr werden können. Spontane Fertigungsleistungen, Unterstützung bis zum Ende zu beinahe allen Tages- und Nachtzeiten und Präzision bis in das kleinste Detail waren der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg. Dieser Pokal gehört uns allen!

© Marcel Van Hoorn/AP Images for Shell

 

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